Wer in letzter Zeit einen Blick auf diese Website geworfen hat, wird es bemerkt haben: Der Podcast leidet unter Lieferschwierigkeiten. „Bücher, die die Welt nicht kennt“ geht weiter, mit einer Folge noch in diesem Jahr, und wird ab 2020 vermutlich quartalsweise erscheinen.

Guy Rewenig, „Mass mat dräi Hären“

Es brennt im Luxemburg der 80er Jahre: Die Stahlindustrie siecht dahin, der Sozialismus ebenso. Cattenom und der Kalte Krieg wetteifern darum, wer das Land als erster verstrahlt. Revolutionskünstler machen Werbung für den Staat, Aktivisten ziehen sich ins Ferienhaus zurück. Und was macht Guy Rewenig? Schreibt einen atemlosen satirischen Roman namens „Mass mat dräi Hären“ (1989), der nach allen Seiten hin austeilt. (Skript)

Nächste Folge am 15. Mai

Guy Rewenig, "Mass mat dräi Hären" (Cover)
Guy Rewenig, „Mass mat dräi Hären“ (1989)

Ein Grafiker zieht von Esch nach Luxemburg-Stadt und gerät mit sich und seinen Idealen ins Hadern. Kunst gegen Kommerz, rote Arbeiterschaft gegen schwarze Bourgeoisie: Guy Rewenigs „Mass mat dräi Hären“ (1989) kartografiert großherzogliche Gegensätze im späten 20. Jahrhundert. Am 15. Mai begibt sich der Podcast auf die Spuren von Rewenigs verschlungener satirischer Prosa.

Jean Sorrente, „Le Vol de l’aube“

Jean Sorrentes „Le Vol de l’aube“ (1995) erzählt von den belgischen Gebrüder Maintes, die sich 1939 freiwillig zur Wehrmacht melden. Wie man mit offenen Augen ins Unglück rennen und dabei gleichzeitig den Kopf in den Sand stecken kann? Dieser Frage spürt Sorrentes labyrinthischer und perspektivisch vielfach gebrochener Kriegsroman akribisch nach, ohne je den Besitz der historischen Wahrheit zu beanspruchen. (Skript)

Nächste Folge am 13. März

Jean Sorrente, "Le Vol de l'aube" (Cover)
Jean Sorrente, „Le Vol de l’aube“ (1995)

Anhand von alten Fotografien rekonstruiert Jean Sorrente die Irrwege der Gebrüder Maintes im Zweiten Weltkrieg – sofern er sie nicht als nouveau romancier über die Beschreibung erst erschafft. Am 13. März steigt der Podcast ein in „Le Vol de l’aube“ (1995) um herauszufinden, wie sich die Geschichte und ihre Darstellung hier zueinander verhalten.

Nikolaus Hein, „Der Verräter“

Nikolaus Heins klassische Novelle spürt dem Ursprung des modernen Luxemburg in der Belgischen Revolution von 1830 nach – und findet lauter Menschen, die Holländer, Belgier oder Preußen sein wollen. Nur ihr tragischer Held Matthäus Conter möchte nichts davon sein. Aber der chaotische Verlauf der Geschichte hindert ihn daran, sich nicht nur seiner Heimat, sondern auch einer Nation und einem Staat verbunden zu fühlen. In „Der Verräter“ kommen die Fundamente gehörig ins Wackeln. (Skript)

Dritte Folge am 16. Januar

Nikolaus Hein, "Der Verräter" (1948)
Nikolaus Hein, „Der Verräter“ (1948)

Stilistisch dem Erbe Kleists verpflichtet, bleibt Nikolaus Heins historische Erzählung von 1948 eine kluge Reflexion über Identität, Heimat und Nationalstaatenbildung. „Mir wëlle bleiwen wat mir sinn“? Im neuen Jahr erklärt der Podcast, warum die einfachen Antworten in „Der Verräter“ ausbleiben.

Claudine Muno, „Frigo“

Während die Heldin dieses Romans um ihre Großmutter trauert und an der Gefühlskälte ihres kleinbürgerlichen Umfelds zugrunde geht, haut einem dessen Autorin eine wilde Metapher nach der anderen um die Ohren – und kommt damit der Wahrheit näher, als einem lieb ist. Claudine Munos „Frigo“ ist ein Familienroman, der es in sich hat. (Skript)

Zweite Folge am 14. November

Claudine Muno, "Frigo" (Cover)
Claudine Muno, „Frigo“ (2003)

Das Familienleben, es ist zum Stahlwolle essen in Claudine Munos viertem Roman, der die Gefühlskälte seines kleinstädtischen Milieus mit grotesken Sprachschöpfungen bekämpft. Am 14. November bespricht der Podcast „Frigo“ von 2003 – mit (hoffentlich) ebenjener Schärfe, die die Autorin für die die Lützelmanns aus Lützelburg aufwendet.